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Plattformökonomie

Arbeitsgruppe „Algorithmisches Management“

Dieser Artikel wurde am 11. Oktober 2022 veröffentlicht und am 21. Dezember 2022 zuletzt aktualisiert.

Die digitale Transformation der Arbeitswelt bringt neue Aufgaben und Herausforderungen mit sich - von der Arbeitsorganisation in den Betrieben und den Anforderungen an Führungskräfte über die Vermittlung von Fähigkeiten und Wissen bis hin zu neuen Geschäftsmodellen und Formen von Arbeit. Im Rahmen des Digitalgipfels der Bundesregierung wird die Arbeitsgruppe „Algorithmisches Management“ Handlungsbedarfe analysieren und Handlungsoptionen entwickeln.

Arbeitsgruppe zur Gestaltung der Voraussetzungen für eine soziale und nachhaltige Datennutzung im Interesse des Gemeinwohls

Um die Handlungsfelder für die Gestaltung der Arbeitswelt, die sich aus der Anwendung von algorithmischen Management (AM) ergeben, frühzeitig zu identifizieren, haben das BMAS und die IG Metall gemeinsam eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe (AG) mit VertreterInnen aus Forschung, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften, Personal- und Betriebsräten, Unternehmen aus Industrie und Plattformwirtschaft sowie öffentlicher Verwaltung unter Vorsitz von Dr. Johanna Wenckebach, wissenschaftliche Direktorin des Hugo-Sinzheimer-Instituts der Hans-Böckler-Stiftung, einberufen. Die AG hat sich zur Aufgabe gemacht, in einem ersten Schritt die Wirkungen von AM in der Arbeitswelt zu diskutieren, zentrale Handlungsfelder zu benennen und Ansätze einer guten Praxis zu identifizieren.

Die Ad-Hoc-Arbeitsgruppe wird unter Berücksichtigung von unterschiedlichen Perspektiven Zielkonflikte, Handlungsbedarfe und Elemente „guter Praxis“ für den Einsatz von AM in den Betrieben herausarbeiten. Der inhaltliche Fokus liegt dabei auf der Gestaltung der Voraussetzungen für eine soziale und nachhaltige Datennutzung im Interesse des Gemeinwohls. Dafür muss neben den Chancen auch in den Blick genommen werden, dass die zunehmende Digitalisierung zu einer dynamischen Vergrößerung des Machtgefälles zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern führt, insbesondere aufgrund des häufig exklusiven Zugriffs der Unternehmen auf die Daten als Grundlage der Datenökonomie und der damit verbundenen Steuerungsmöglichkeit und Kontrolle.

„Es ist unsere Aufgabe, kluge Rahmenbedingungen für unsere Arbeitsgesellschaft zu schaffen. Der Einsatz von digitalen Technologien, etwa von KI, wird für unsere Arbeitswelt immer wichtiger. Klar ist, dass Technologie dem Menschen, dem Beschäftigten dienen muss – und nicht umgekehrt. Beim Einsatz algorithmischer Steuerung in der Arbeitswelt ist dies umso wichtiger – und genau deswegen müssen wir uns mit dem Thema befassen.“

Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales

Datengetriebene Geschäftsmodelle gewinnen an Bedeutung und damit verbunden der Einsatz von algorithmischen Instrumenten in der Arbeitswelt. Durch den Einsatz solcher Instrumente lassen sich auch Arbeitsprozesse und Aufgabenausführung durch Algorithmen steuern und optimieren. Dies wird vielfach unter dem Begriff AM (AM) zusammengefasst. Mit der Nutzung datenbasierter Anwendungen sind Chancen und Potenziale verbunden. Diese auch für Beschäftigte und die Verbesserung von Arbeitsbedingungen zu nutzen, setzt Beteiligung voraus. Werden dagegen die Interessen und Bedürfnisse der Beschäftigten nicht einbezogen, wächst das Risiko einer Arbeitsintensivierung und einer verstärkten Standardisierung und Überwachung ihrer Tätigkeit.

Für die Gestaltung einer modernen und sozialen Arbeitsgesellschaft muss technologischer Fortschritt zugleich auch sozialer Fortschritt sein: Technologischer Fortschritt und die Humanisierung der Arbeitswelt müssen zusammengehen.

„Algorithmisches Management hat große Potenziale, um Arbeitsbedingungen zu verbessern, Produktivität zu sichern und durch Entlastung von Beschäftigten dem Fachkräftemangel zu begegnen. Beim Einsatz in den Betrieben werden aber auch Risiken deutlich. Fragen zum Datenschutz, zu Anti-Diskriminierung oder auch zum Arbeitsschutz sollten daher nicht aus dem Blick geraten. Es stellen sich neue Verteilungsfragen. Als Gewerkschaft wollen wir diese im Sinne der Beschäftigten gestalten. Wie kann algorithmisches Management zu guter Arbeit beitragen und was brauchen wir dafür? Das sind aus meiner Sicht die zentralen Fragen, die angepackt werden müssen.“

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall

Erste Ergebnisse der Arbeit dieser interdisziplinären Arbeitsgruppe stellten das BMAS und die IG Metall auf dem diesjährigen Digitalgipfel der Bundesregierung vor. In der Session „Daten und Gute Arbeit - algorithmisches Management im Fokus“ diskutierte am 9. Dezember Bundesminister Hubertus Heil gemeinsam mit Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, und Dr. Johanna Wenckebach, wissenschaftliche Direktorin des Hugo-Sinzheimer-Instituts der Hans-Böckler-Stiftung und Vorsitzende der Arbeitsgruppe, über die Handlungsfelder und Voraussetzungen für gute Praxis von AM im betrieblichen Kontext. Sonja Köhne, Doktorandin am Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft, flankierte die Session mit neuesten Erkenntnissen zum wissenschaftlichen Diskurs rund um das Thema AM.

„Der Austausch in der Arbeitsgruppe zeigt Bedarf für Forschung und rechtspolitische Debatten für den passenden rechtlichen Rahmen. Aber ganz klar sind bereits die Bedingungen erkennbar, unter denen Algorithmen für alle Beteiligten gewinnbringend eingesetzt werden können. Dazu gehört, gute Arbeit schon beim Design von algorithmischen Management-Systemen als Ziel zu setzen und Beschäftigte und ihre Interessenvertretungen frühestmöglich einzubeziehen. Sozial- und Betriebspartner haben wichtige Gestaltungsaufgaben, für die es erste Vorbilder aus der Praxis gibt.“

Dr. Johanna Wenckebach, wissenschaftliche Direktorin des Hugo Sinzheimer Instituts für Arbeits- und Sozialrecht der Hans-Böckler-Stiftung

Vorsitzende

  • Dr. Johanna Wenckebach

    Wissenschaftliche Leiterin des Hugo Sinzheimer Instituts für Arbeitsrecht (HSI) der Hans-Böckler-Stiftung

Mitglieder

  • Birgit Bohle

    Personalvorstand & Arbeitsdirektorin bei der Deutsche Telekom AG
  • Dr. Florian Butollo

    Leiter der Forschungsgruppe "Arbeiten mit Künstlicher Intelligenz" im Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft
  • Frederik Fahning

    Founder und Managing Director bei Zenjob
  • Stephan Kaulbach

    Head of Data Intelligence Center bei der Deutsche Bahn AG
  • Prof. Dr. Eva Kocher

    Professurinhaberin Bürgerliches Recht, Europ. und Dt. Arbeitsrecht an der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder)
  • Dietmar Kuttner

    GBR-Mitglied bei der Siemens AG
  • Jörg Parsenow

    BR-Mitglied bei Ford Werke GmbH Köln
  • Frank Remers

    Sprecher KBR-Fachausschuss Personaldatensysteme bei IBM Deutschland
  • Dr. Bernhard Rohleder

    Hauptgeschäftsführer bei BITKOM e.V.
  • Lothar Schröder

    Mitglied Aufsichtsrat Telekom bei der Deutsche Telekom AG
  • Dr. Ulrike Spangenberg

    Leiterin der Geschäftsstelle Gleichstellungsbericht bei der Bundesstiftung Gleichstellung
  • Prof. Dr. Louisa Specht- Riemenschneider

    Inhaberin des Lehrstuhls „Bürgerliches Recht, Informations- und Datenrecht“ an der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • Matthias Spielkamp

    Mitgründer und Geschäftsführer bei AlgorithmWatch
  • Prof. Dr. Philipp Staab

    Soziologie-Professor der Zukunft der Arbeit an der Humboldt Universität zu Berlin
  • Oliver Suchy

    Abteilungsleiter Grundsatz und Gute Arbeit beim DGB
  • Dr. Stefan Voß

    Gruppenleiter "Arbeitsstätten, Maschinen- und Betriebssicherheit" bei der BAUA
  • Semih Yalcin

    GBR-Vorsitzender bei Lieferando

Veröffentlicht am 11. Okt 2022 zum Thema: Plattformökonomie, zuletzt aktualisiert am 21. Dez 2022