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Civic Innovation Platform

„KI wird dann konkret, wenn sie die eigene Lebensqualität verbessert“

Im Interview erklärt Anika Krellmann, Referentin bei der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt), warum in Kommunen viel Potenzial für gemeinwohlorientierte KI-Anwendungen steckt, wieso es für Innovationen viele unterschiedliche Akteur*innen braucht und was sie von der Civic Innovation Platform konkret erwartet.

Das BMAS hat mit der Civic Innovation Platform ein innovatives Projekt zur Vernetzung und Förderung gemeinwohlorientierter KI-Projekte gestartet. Die KGSt unterstützt dieses Vorhaben als Kooperationspartnerin. Welche Rolle spielt für Sie das Thema Gemeinwohlorientierung und was hat Sie überzeugt, sich zu beteiligen?

Als kommunaler Fachverband spielt die Gemeinwohlorientierung für uns naturgemäß eine herausragende Rolle. Die Digitalisierung verändert den "Lebensraum Kommune". Insbesondere gilt es, die Daseinsvorsorge in einer digitalisierten Lebens- und Arbeitswelt gemeinwohlorientiert zu gestalten.

Notwendig ist dafür die Zusammenarbeit im ganzen "Ökosystem Kommune". Die Verwaltung, ihre verbundenen und örtlichen Unternehmen sowie die örtliche Gemeinschaft gestalten den mit der Digitalisierung verbundenen Veränderungsprozess gemeinsam. Die Civic Innovation Platform ist ein virtueller Ort, der die dafür notwendigen Innovationsprozesse anstoßen und begleiten kann.

Die KGSt unterstützt Kommunen bei der Modernisierung ihrer Verwaltung. Welchen Mehrwert sehen Sie in der Zusammenarbeit mit der Civic Innovation Platform für beide Seiten?

Mit unserer Plattform KGSt®-Kommunect digital bieten wir Stadt-, Kreis und Gemeindeverwaltungen bereits die Möglichkeit, sich gezielt zu aktuellen und geplanten Digitalisierungsprojekten und -ideen, sowohl im Kontext der Verwaltungsdigitalisierung, des Onlinezugangsgesetzes, als auch der Smart City- / Smart Region-Ansätze auszutauschen. Dabei handelt es sich um einen virtuellen Vertrauensraum. Die Civic Innovation Platform fördert die Ideen, die in sektorenübergreifenden Projektteams wie Start-ups mit Unternehmen oder eben Kommunen für den gesellschaftlichen und sozialen Fortschritt entwickelt werden. Auch das braucht es unbedingt! Insofern ergänzen sich die Angebote wunderbar.

KI wird häufig als Schlüsseltechnologie für die Bewältigung wirtschaftlicher, aber auch gesellschaftlicher Herausforderungen angesehen. Welche Rolle können KI-Anwendungen bei der Bearbeitung kommunaler Fachthemen, wie zum Beispiel Soziales, Integration, Kultur oder Wirtschaftsförderung, spielen? Wo liegen hier die Potenziale?

Einerseits können mithilfe von KI-basierten Lösungen Prozesse in der Verwaltung effizienter gestaltet werden. Andererseits ermöglichen diese aber auch die gezielte Analyse und Verwertung von Daten. Das wiederum kann der Verwaltung und der Kommunalpolitik dabei helfen, nutzer*innenzentriertere Entscheidungen im Sinne des Gemeinwohls zu treffen.

Für Menschen werden KI-basierte Technologien häufig dann ganz konkret, wenn sie die eigene Lebensqualität verbessern. So eröffnen sich durch sie zum Beispiel neue Möglichkeiten im Bereich der häuslichen Pflege durch technische Assistenzsysteme oder im Bereich der Telemedizin. KI-Anwendungen können auch Menschen mit Behinderungen eine gute Unterstützung bieten − etwa indem Informationen ziel- und bedarfsgerecht bereitgestellt werden oder die Mobilität verbessert wird.

Bereits der Claim „Gemeinsam wird es KI“ verdeutlicht den Kern des ganzheitlichen Förderprinzips der Civic Innovation Platform: Zusammenarbeit und Vernetzung. Aus diesem Grund setzt das Projekt auf die Einbindung vieler verschiedener Akteur*innen aus den unterschiedlichsten Bereichen und Branchen. Wie schätzen Sie die Potenziale eines solchen kollaborativen Ansatzes ein?

Um die Lebens-, Arbeits- und Standortqualität in Kommunen zu verbessern, braucht es Innovationen. Und diese entstehen besonders dann, wenn Menschen mit unterschiedlichen Blickwinkeln und Organisationen mit unterschiedlichen Kompetenzen zusammenkommen. Die Civic Innovation Platform fördert genau das. Sie bietet auch Kommunen die Chance, Ideen aus und mit ihrem Netzwerk zu verwirklichen und die jeweiligen Qualitäten optimal zu nutzen.

Für die Umsetzung braucht es dann auch die notwendigen Experimentierräume. Gerade wenn es um den Einsatz neuer Technologien geht, sind diese unbedingt erforderlich, um herauszufinden, wann ihr Wirkungsgrad im Sinne des Gemeinwohls am höchsten ist.

Die erste Runde des Ideenwettbewerbs "Gemeinsam wird es KI" ist Mitte September gestartet. Sektorenübergreifende Projektteams haben bis zum 15. Dezember die Möglichkeit, sich mit ihrem gemeinsam erarbeiteten Konzept für gemeinwohlorientierte Anwendungen von KI zu beteiligen und ein Preisgeld von bis zu 20.000 Euro für die Ausarbeitung ihrer Projektidee zu bekommen. Welche Erwartungen setzen Sie in die Einreichungen?

Ich hoffe und denke, dass der Ideenwettbewerb dazu beiträgt, dass mehr positive Geschichten mit KI geschrieben werden, die wiederum von anderen Akteur*innen adaptiert werden. Außerdem kann der Wettbewerb einen guten Beitrag dazu leisten, dass wir im gesamten Ökosystem Kommune mehr ausprobieren, mehr experimentieren, schlichtweg mehr "machen" und dadurch ganz konkret erleben, wie Digitalisierung die Lebensqualität verbessern kann.

Wir bedanken uns für das Gespräch und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit im Rahmen der Civic Innovation Platform.

  • Anika Krellmann

    Anika Krellmann ist seit 2015 Referentin im Programmbereich Organisations- und Informationsmanagement der KGSt. Dort verantwortet sie Themen im Kontext der „Digitalen Kommune“, und setzt sich ideell mit technologischen Trends, Digitaler Souveränität und Open Source sowie Themen im Bereich der IT-Steuerung auseinander. Außerdem ist sie für die Plattform KGSt®-Kommunect verantwortlich, auf welcher sich mittlerweile über 2.600 kommunale Digitalisierungsverantwortliche vernetzen. Ganz analog unterhält sie für die KGSt das CDO-Netzwerk mit rund 40 kommunalen CDOs aus dem DACH-Raum.

Veröffentlicht am 29.10.2020 zum Thema: Civic Innovation Platform

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