re:publica 2026 | 19. May 2026 STATION Berlin
Rückblick: re:publica 26
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Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Arbeitswelt und unsere Gesellschaft grundlegend – und schneller als viele erwartet haben. Bis 2030 wird es kaum noch einen Job ohne KI-Bezug geben. Entscheidend ist deshalb, wie wir diesen Wandel gestalten: für gute Arbeit, wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wie dies gelingt, diskutierten in unterschiedlichen Sessions Bundesministerin Bärbel Bas, Parlamentarische Staatssekretärin Katja Mast und Vertreter*innen unserer ressortübergreifenden Initiative Civic Coding auf der diesjährigen re:publica unter dem Motto „Never gonna give you up“.
Wie hält unsere Wirtschaft im globalen KI-Wettbewerb mit? Wie gehen wir mit den Hoffnungen in Bezug auf die Technologie, aber auch mit Sorgen um? Und wie gelingt ein gerechter Fortschritt, der allen zugutekommt und nicht nur einigen wenigen? Bundesministerin Bärbel Bas eröffnete den zweiten Programmtag der re:publica mit ihrer Keynote „Never gonna give you up: Arbeit, Innovation und Gerechtigkeit im KI-Zeitalter“ zu diesen und weiteren zentralen Fragen der Transformation der Arbeitswelt durch Digitalisierung und KI.
Passend zum Motto der Veranstaltung betonte Bas, dass KI nicht als rein technologische Entwicklung verstanden werden dürfe, sondern vor allem als gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe. Wir dürfen beim KI-Einsatz in Arbeitswelt und Gesellschaft nicht passive Teilnehmende, sondern müssen Taktgeberinnen und Treiber sein. Gerade auch, weil mit der aktuell schnell zunehmenden Nutzung von KI als Querschnittstechnologie neben ihren Stärken auch die Grenzen deutlicher sichtbar werden. Damit KI sicher und vertrauenswürdig eingesetzt werden kann und zum Gewinn für alle wird, sind deshalb klare Regeln wichtig, wie sie in der europäischen KI-Verordnung formuliert sind.
„KI darf nie gegen die Beschäftigten, sondern muss mit ihnen eingesetzt werden. Deshalb bleibt Mitbestimmung zentral.“
Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales
In ihrer Rede macht Bundesministerin Bas zudem deutlich, wie wichtig es ist, die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt genau zu beobachten. So zeichnet sich etwa in den USA ab, dass bestimmte Berufseinsteiger*innen aufgrund von KI Nachteile haben. Für Deutschland gilt dies aktuell nicht, KI führt hier vielmehr zu einem Jobumbau als zu einem Jobabbau. Mit Blick auf die hochdynamischen Entwicklungen müssen wir KI als gemeinsame Aufgabe in der Arbeitswelt sehen und dafür sorgen, dass KI Arbeit besser macht, dass Beschäftigte KI als Werkzeug in ihrem Arbeitsalltag einsetzen und aktiv an Veränderungen beteiligt werden. Deshalb braucht es Qualifizierung und Weiterbildung zum Aufbau von Zukunftskompetenzen, Fachkräftesicherung und moderne Mitbestimmung.
Europa soll zudem einen menschenzentrierten Umgang mit KI verfolgen, der Innovation fördert, demokratische Werte, Transparenz und Arbeitnehmerrechte schützt. So entsteht ein europäisches Gegenmodell zu rein profitorientierten Ansätzen, das qualitativ hochwertige, gut bezahlte Jobs sichert.
Mit Blick auf die Zukunft der Arbeitsgesellschaft betonte die Ministerin, dass technologische Entwicklungen nur dann gesellschaftliche Akzeptanz finden, wenn ihre Chancen allen gesellschaftlichen Gruppen offenstehen und ihre Potenziale genutzt werden, ohne neue Ungleichheiten zu schaffen. Produktivitätsgewinne durch KI dürfen nicht nur einzelnen Unternehmen oder wenigen Hochqualifizierten zugutekommen, sondern müssen fair verteilt werden. Das bedeutet auch, allen Gesellschaftsgruppen Teilhabe zu ermöglichen: Frauen nutzen KI beispielsweise im Schnitt seltener als Männer. Befähigung, Kompetenzaufbau und Weiterbildungsangebote müssen daher gerade auch die digitale Geschlechter- und Alterslücke schließen. Die re:publica bot damit den Rahmen für eine Debatte darüber, wie Digitalisierung und soziale Gerechtigkeit gemeinsam gedacht werden können.
Daran anknüpfend rückte auf der re:publica auch die Frage nach Fairness und Verantwortung entlang der globalen KI-Wertschöpfungsketten in den Fokus. Denn ein gerechter Umgang mit KI bedeutet nicht nur, Teilhabe und gute Arbeit in Deutschland zu sichern, sondern auch die Arbeitsbedingungen der Menschen in den Blick zu nehmen, die digitale Technologien weltweit ermöglichen. Parlamentarische Staatssekretärin Katja Mast widmete sich deshalb gemeinsam mit Joan Kinyua, Präsidentin der Data Labelers Association Kenya und ehemalige Datenannotatorin, sowie der Digitalisierungsexpertin Julia Kloiber einer oft wenig sichtbaren Seite der KI-Entwicklung: den Menschen hinter den Systemen. Im Mittelpunkt stand die Frage, unter welchen Bedingungen KI trainiert, Plattformen moderiert und digitale Dienste für Nutzer*innen überhaupt nutzbar gemacht werden. Mast machte deutlich, dass technologischer Fortschritt nicht zulasten derjenigen gehen darf, die diese Arbeit leisten. Deutschland und Europa müssten deshalb klare Standards für faire Plattformarbeit, Schutz von Beschäftigten und psychische Gesundheit entlang globaler digitaler Wertschöpfungsketten setzen.
Stakeholder-Dialog „Führungsaufgabe KI – Wie die Zivilgesellschaft ihre KI-Kompetenzen stärken kann“
Auch dieses Jahr waren wir im Rahmen unserer ressortübergreifenden Initiative Civic Coding mit zwei Sessions auf der re:publica vertreten: In der ersten Session ging es um den aktuellen Stand von KI in der Zivilgesellschaft und die Frage, was es braucht, um KI-Kompetenzen in der Zivilgesellschaft zu stärken. Nach Vorstellung der zentralen Ergebnisse des neuen Civic Coding-Deep Dives „From Know-how to Competence – Wie die Zivilgesellschaft ihre KI-Kompetenzen stärken kann“ durch Dr. Julian Stubbe (Geschäftsstelle Civic Coding) diskutierten mit Angela Berger (Civic Data Lab des deutschen Caritas-Verbands), Jasmin Rocha (Leiterin Digitalisierung bei der Diakonie Deutschland) und Jonathan Niesel (Experte für Künstliche Intelligenz bei Greenpeace) Vertreter*innen aus drei interviewten Organisationen, was notwendig ist, damit Wissen und Erfahrungen organisationsübergreifend wirksam geteilt werden. Im anschließenden Austausch von Ana Dujić (Leiterin der Abteilung D - Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft im BMAS) und Jürgen Müller (Leiter der Abteilung Grundsatz und Digitales im BMBFSFJ) mit den Teilnehmenden wurde beleuchtet, wie der KI-Kompetenzaufbau und die damit einhergehende Gestaltung von gemeinwohlorientierter KI dauerhaft im Sektor verankert werden und welche Verantwortung dabei größere Akteure im Sektor übernehmen können. „Zivilgesellschaftliche Organisationen – von der wohlfahrtlichen Verbandslandschaft über öffentliche Einrichtungen bis zu NGOs und Sozialunternehmen – erbringen grundlegend wichtige Beiträge für das Gemeinwohl. Daher ist zentral, dass sie neue technologische Möglichkeiten angemessen und gezielt nutzen – d. h. ausgerichtet an demokratischen und sozialen Werten sowie den Bedürfnissen gesellschaftlicher Zielgruppen", so Ana Dujić.
Session „Challenge Accepted! Gemeinsam von der gesellschaftlichen Herausforderung zur KI-Lösung“
In der zweiten Session wurde der Frage nachgegangen, wie KI zur Lösung konkreter Herausforderungen (sog.Challenges) zivilgesellschaftlicher Organisationen beitragen kann. Fünf zivilgesellschaftliche Organisationen aus unterschiedlichen Bereichen pitchten ihre jeweilige Herausforderung auf der Bühne, sieben weitere konnten ihre im Rahmen des anschließenden Austauschs den Gästen vorstellen und gemeinsam mit den Teilnehmenden und KI-Projektteams erste Lösungsansätze diskutieren.
Die Vorstellung der Challenges war der Startpunkt für den Civic Coding-Accelerator 2026, bei dem Tandems aus zivilgesellschaftlichen Akteur*innen und Tech-Teams gemeinwohlorientierte KI-Lösungen (weiter-)entwickeln. Die Tandems werden im Laufe des dreimonatigen Programms (September-Mitte Dezember 2026) durch Beratung und verschiedene Workshops zur Weiterentwicklung und Verstetigung ihrer Lösung unterstützt. Auf der re:publica konnten die challengegebenden Organisationen nun erste potenzielle Partner*innen finden sowie Kontakte für die weitere Zusammenarbeit knüpfen. Ab Mitte Juni können sich die Tech-Teams mit ihrer passenden KI-Lösung auf die eingereichten Challenges bewerben.
Mehr zum Civic Coding-Accelerator finden Sie auf der Civic Coding-Webseite.
„Technologie ist, was wir draus machen. Wir haben es selbst in der Hand.“
Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales
Die komplette Session mit Bundesministerin Bas finden Sie auf dem YouTube-Kanal der re:publica.









